© 1998 Richard Rensch Orgelbau GmbH,
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In der Zeit vom 27. Oktober 1997 bis zum 14. Januar 1998 wurde die Orgel in Huldstetten durch unsere Firma gründlich saniert. Die folgende Dokumentation soll über den vorgefundenen Zustand und die durchgeführten Maßnahmen informieren.
Auf der C-Seite im Windkasten der Hauptwerkswindlade befindet sich eine handschriftliche Inschrift, in Süterlin geschrieben. Sie lautet:
Näheres über diesen Orgelbauer, erfährt man im lexikalischen Verzeichnis der deutschen Orgelbauwerkstätten der Festschrift "100 Jahre Bund Deutscher Orgelbaumeister" von Hermann Fischer (Orgelbau-Fachverlag Rensch, Lauffen 1991). Fischer schreibt dort (S.290 und 291):
Das Huldstettener Instrument stammt also genau aus der schwierigen Zeit des Werkstattniederganges in Wolfschlugen. Eberhard Friedrich war beim "beschließen" der Windlade 38, sein Sohn Gottfried Eberhard 14 Jahre alt.
Das einmanualige Werk hat folgende Disposition:
Umfang C- f3, Reihenfolge auf der
Windlade:
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1. Principal 4' |
C-e1 Zinkprospekt; f1-d3
originaler Prospekt SnPb; ds3-f3 originale Ladenpfeifen. | ||||||||||||||||
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2. Gambe 8' |
C-H Fichte, gedeckt, c-f3
SnPb. | ||||||||||||||||
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3. Octave 2' |
SnPb, original | ||||||||||||||||
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4. Mixtur III 2' |
SnPb, original
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5. Flöte 4' |
offen. Fichte, Labien Eiche. Im Diskant Ahorn. | ||||||||||||||||
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6. Gedeckt 4' |
Fichte/Eiche. Deckel, Kerne, Stöpsel und Vorschläge Eiche. Im Diskant Deckel, Kerne und Vorschläge Eiche. | ||||||||||||||||
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7. Gedeckt 8' |
Fichte/Eiche | ||||||||||||||||
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8. Salicional 8' |
C-H Fichte, Rest SnPb. | ||||||||||||||||
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9. Flöte 8' |
offen. Fichte, Labien Eiche. | ||||||||||||||||
Umfang C-c1. C- und Cs-Seite
vertauscht.
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10. Subbaß 16' |
Fichte, Labien Ahorn. |
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11. Octavbaß 8' |
Fichte, Labien Eiche. |
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12. Copplung |
Pedalkoppel als Handzug. |
Winddruck: 63 mm WS.
Stimmung: gleichstufig temperiert
Tonhöhe: 443 Hz bei 15° C
Alle Pfeifen, Raster und Stöcke wurden aus der Orgel ausgebaut und gereinigt. Das Instrument wurde ausgesaugt und, wo sinnvoll, ausgewischt. Alle Pfeifen wurden ausgebürstet und ausgeblasen. Außen wurden sie feucht gewischt.
Hier wurden die Mensuren der vorhandenen Zinkpfeifen vermessen, danach die Ausschnitte in den Prospektrastern, die meistens etwas enger waren. Zwischen diese beiden Kurven wurde die Mensur des neu anzufertigenden Zinnprospektes rekonstruiert. Es wurde auf einen nahtlosen Übergang zu der originalen Prospektfortsetzung geachtet. Die Gestaltung der Labien wurde nach den vorhandenen Pfeifen gemacht.
Bei den originalen Prospektpfeifen (f1-d3) wurde die Silberbronze, die einmal zur Angleichung an den Zinkprospekt aufgebracht worden war, abgewaschen. Die zum Vorschein gekommene Oberfläche wurde unter Erhalt der natürlichen Patina poliert. Dabei fiel eine Eigenart dieses Orgelbauers auf, die sich auch an den meisten übrigen originalen Metallpfeifen in der Orgel fand: In das Ober- und Unterlabium hat er (zur Zierde) immer einen "Pickel" eingestanzt.
C-H Holz, Rest Metall. Dieses Register scheint vom Ende des 19. Jahrhunderts zu stammen. Nähere Hinweise, etwa welches Register vorher an dieser Stelle gestanden hat, konnten nicht entdeckt werden. Die Pfeifen waren in gutem Zustand, das heißt, sie mußten nur gereinigt werden.
Originalbestand. Vor allem im Diskant mußten die Mündungen und Füße gerichtet werden. Im Baßbereich nachträglich eingeschnittene Stimmrollen.
Originalbestand. Einige Diskantpfeifen des 11/3' mußten angelängt werden, um die richtige Tonhöhe zu erhalten. Mündungen und Füße wurden gerichtet. Im Baßbereich nachträglich eingeschnittene Stimmrollen.
Holz offen.Originalbestand. Quadratische Mensur. Register in gutem Zustand. Drei Fremdpfeifen im Diskant wurden in originaler Bauweise rekonstruiert.
Originalbestand. Quadratische Mensur. Register in gutem Zustand. Eine Fremdpfeife im Diskant wurde in originaler Bauweise rekonstruiert.
Originalbestand. Quadratische Mensur. Register in gutem Zustand. Die große Oktave dieses Registers steht sehr eng vor dem nachfolgenden Salicional. C vom Salicional konnte nicht ordentlich sprechen, so daß C von Gedeckt 8' auf einen langen Fuß gesetzt werden mußte.
C-H Holz, Rest Metall. Originalbestand. Die Holzpfeifen waren in sehr schlechtem Zustand und sprachen zu Beginn der Maßnahme teilweise gar nicht und teilweise sehr schlecht an.
Die Vorschläge waren stark verzogen und sehr unschön aufgeleimt. Einige Pfeifen waren wegen Wurmfraß undicht und mußten mehrmals ausgeleimt werden. Die Vorschläge wurden abgenommen und abgerichtet. Auch die Kernauflagen wurden abgerichtet und mit Karton aufgefüttert, um eine korrekte Kernspalte zu erhalten.
Die Oberlabien sind mit eingesetzten Zinnstreifen versehen. Diese waren stark verbogen und wurden gerichtet. Wo sie fehlten, wurden sie ersetzt.
Die Metallpfeifen (c-f3) wurden gereinigt und ausgebeult.
Holz, offen. Originalbestand. Quadratische Mensur. Register in gutem Zustand. Einige gebrochene Stimmbleche wurden ersetzt. Teilweise mußten die quadratischen, an die Kerne angesägten Füße geflickt werden, da sie sehr dünn auslaufen und deshalb teilweise abgesplittert waren.
Originalbestand. Die Pfeifen sind, obwohl die Stimmtonhöhe des Instruments erhöht wurde (siehe nachträglich eingeschnittene Stimmrollen), relativ kurz. Das heißt, die Stöpsel sitzen, vor allem im Diskant, sehr hoch. Teilweise ist schon ein Teil der Lederdichtung sichtbar. Sie müssen also nachträglich etwas zu kurz abgeschnitten worden sein. Es sind aber keine auffällig frischen Sägespuren zu sehen.
Die Pfeifen waren schon öfter an vielen Stellen gerissen, was teilweise unschön ausgeführte Reparaturen bewiesen (viele Nägel und Schrauben im Mündungsbereich). Die Stöpsel sind nicht aus Hirnholz und waren nur mit Leder abgedichtet.
Das wurde als Ursache für diese Risse festgestellt. Wir schnitten daher die Stöpsel etwas kleiner, so daß man sie mit Filz auffüttern konnte. Das originale Leder konnte dabei leider nicht erhalten werden. Die Stöpsel bestehen aber nicht aus Längsholz, wie wir anfänglich dachten, sondern aus einer frühen Art von Sperrholz. Sie sind aus selbst hergestellten Dreischichtplatten gemacht. Drei etwa gleich starke Fichtedickten (10&endash;12 mm) sind kreuzweise aufeinandergeleimt. Alle zwischenzeitlich eingedrehten Schrauben wurden entfernt und durch Holzdübel ersetzt. Die Nägel wurden belassen. Offene Risse wurden verleimt. Bröseliges Holz (Wurmfraß) wurde herausgeschnitten und durch eingeleimte, materialgleiche Späne bzw. Keile ersetzt.
Originalbestand. Register in gutem Zustand. Einige abgebrochene Stimmbleche wurden ersetzt.
Ursprünglich war vorgesehen, den Spieltisch insgesamt mit in die Werkstatt zu nehmen. Er ist aber so fest am Boden befestigt, daß dies nur durch abrißähnliche Maßnahmen zu bewerkstelligen gewesen wäre. Also wurden die Klaviatur, die Abstrakten, die Registerzüge, die Winkelbalken und der Klaviaturdeckel ausgebaut und zur Restaurierung in die Werkstatt verbracht. Die Registerschilder, die sich auf dem Klaviaturdeckel befinden, waren stark abgegriffen und kaum noch lesbar. Die Schriftzüge wurden von einem Kalligraphen nachgefahren. Die Schilder der unteren Registerzüge konnten unverändert bleiben. Danach wurden alle Schilder mit einem klaren Schutzlack (Zapon) überzogen. Die inneren Flächen des Spieltisches wurden gereinigt. Die größtenteils abgegriffene alte Lackierung wurde angeschliffen. Danach wurden die Flächen neu lackiert.
Das unpassende Schließblech für den Deckel wurde entfernt. Dafür wurde ein neues aus Messingblech angefertigt und eingelassen, das alle bisherigen Aus-klinkungen überdeckt und dessen Schlitz für das vorhandene Spieltischschloß paßt. Leider fehlt der Schlüssel.
Das zu große seitliche Spiel der Manualtasten wurde durch Einleimen von Ahornspänen in die ausgespielten Schlitze der Führungsklötzchen für die vorderen Leitstifte beseitigt. Seitlich "kippelnde" Tasten wurden im Schlitz des Waagebalkenstiftes mit dünnem Karton aufgefüttert. Die in neuerer Zeit schon einmal ersetzten Untertastenbeläge in der stark bespielten Mittellage der Klaviatur wurden abgeschliffen, sodaß sie wieder eine ebene Oberfläche bekamen. Die gesamte Klaviatur wurde aufpoliert.
Die Pedaltasten erhielten eine seitliche Lederauflage und wurden, wo nötig, neu befilzt. In das Trakturpodest unter der Pedalklaviatur mußten Schlitze gesägt werden, damit die Tastenfedern beim Spielen nicht auf den Fußboden aufschlagen.
In die Ösen der Ventilabzüge wurden Filztuchfähnchen eingezogen. Alle Abstrakten und Winkelbalken wurden ausgebaut. Die Abstraktendrähte wurden mit Stahlwolle blankgerieben und geradegerichtet. Unpassend ersetzte Drähte wurden ausgewechselt.
Alle Winkel bestehen aus Eisenblech. Die Achslöcher scheinen eher ausgestanzt als gebohrt zu sein und fallen daher sehr unterschiedlich aus. Das hat natürlich Klappergeräusche zur Folge. Während die Abstraktendrähte zwischen 1,2 und 1,6 mm Durchmesser haben, waren die Löcher zwischen 1,8 und 2,5 mm im Durchmesser. Als Geräuschdämmungsmaßnahme wurden, nachdem alle Winkel ausgebaut und mit der Stahlbürste blankgemacht worden waren, auf die Löcher für die Abstraktendrähte Lederscheiben mittels Epoxydharz aufgeklebt. Diese Scheiben wurden auf den exakten Durchmesser der Drähte aufgebohrt. Diese Maßnahme ist reversibel, da man das Harz durch Erhitzen der Winkel wieder lösen kann. Die eisernen Achsen der Winkelbalken wurden, soweit sie nicht gebrochen waren, belassen.
Die Lagerstellen der Holzwellen sind nicht ausgetucht. Teilweise sind sie auch ausgeschlagen. Im Interesse der Substanzerhaltung wurde jedoch in Absprache mit dem Sachverständigen und dem Denkmalamt davon abgesehen, dickere Achsen einzubauen. Die Löcher in den Ärmchen der Holzwellen sind auch nicht exakt auf den Durchmesser der Drähte aufgebohrt. Ein versuchsweise gebohrtes, genau passendes Loch hinter dem originalen Loch brachte jedoch keine merkliche Geräuschminderung, da das jetzt noch hörbare Klappern im wesentlichen von den sehr groß dimensionierten Spielventilen ausgeht, die, da sie nur doppelt beledert sind, hart zuschlagen. Insgesamt konnte durch die beschriebenen Maßnahmen aber doch eine erhebliche Geräuschminderung gegenüber dem vorgefundenen Zustand erreicht werden.
Bei den Windladen handelt es sich um gespundete Schleifladen. Die Rahmen, Spunde, Schleifen und Dämme sind aus Eiche, die Schiede, Ventile und der Windkasten sind aus Fichte. Die Schleifenbahnen sind beledert. Außerdem ist auch die Unterseite der Stöcke beledert. Die Unterseite der Laden ist papiert. Alle Ventile wurden gereinigt und mit Talkum aufgebürstet. Die Spannung der Ventilfedern wurde überprüft und ausgeglichen. Zu Beginn der Maßnahme waren schon einige Durchstecher festzustellen. Das ganze Ausmaß der Undichtigkeiten konnte natürlich erst nach dem vollständigen Abräumen der Laden, dem Abdichten der sichtbaren Risse in dem gespundeten Korpus und dem darauffolgenden Ausprobieren festgestellt werden. Es wurden aufwendige Anstrengungen unternommen, um zu einem betriebssicheren und störungsfreien Ergebnis zu kommen, das auch noch den denkmalpflegerischen Gesichtspunkten Rechnung trägt. So mußte in weiten Bereichen im Diskant das Leder der Schleifenbahnen abgelöst und auch die Dämme abgenommen werden, um Risse auf der Ladenoberseite abdichten zu können. Danach mußte Ton für Ton die Dichtigkeit der Schleifen mit feinen Dichtungsringen unterschiedlicher Stärken hergestellt werden ohne andererseits die Leichtgängigkeit der Registerzüge zu beeinträchtigen. Vier Kanzellendurchstecher konnten erst durch Ausgießen mit Warmleim behoben werden, was darauf hinweist, daß sich Risse im Inneren der Kanzelle befanden.
Die Stockschrauben waren unterschiedlichster Abmessungen und mit Sicherheit nicht original. Sie zogen in der Regel überhaupt nicht. Deshalb wurden durchweg neue Stockschrauben eingedreht. Die Stöcke mußten daraufhin noch etwas unterlegt werden, damit die Schleifen gängig waren.
Die viereckig ausgestemmten Löcher der Registerzüge in der Registerstaffelei im Spieltisch hatten sehr viel Luft. Sie wurden aufgefüttert, um das Klappern zu beseitigen. Der Gang der Schleifen wurde kontrolliert und bei An-Stellung auf exakte Deckung mit den Tonlöchern eingestellt. Als Gangbegrenzung dienen Stockschrauben, die durch einen Schlitz in der Schleife in die Lade geschraubt sind. Bei Ab-Stellung sind alle Knöpfe im Spieltisch tendenziell gleich tief eingeschoben. Auf ein perfektes Ausgleichen wurde verzichtet, sonst hätten die Schlitze in den Registerzügen zum Teil tiefergesägt und die Achslöcher versetzt werden müssen.
Der Balg auf dem Dachboden der Kirche wurde ganz neu beledert und papiert. Damit war schon der Hauptteil der Blasgeräusche behoben. Außerdem wurde ein neuer, leiser Ventilator eingebaut.
Die elektrischen Schalter am Gehäuse wurden entfernt und die darunter befindlichen Löcher wurden zugemacht. Die Lichtschalter wurden bauseits an die Emporebrüstung verlegt, der Orgelschalter ins Orgelinnere. Die Konsole für den Liedanzeiger am Spieltisch blieb, da es dafür keinen besseren Platz gibt. An der Gehäusetüre, hinter der der Orgelschalter ist, wurde ein passendes Schließblech angebracht.
Die Manualwindlade liegt vorne auf dem Gehäusekranz auf. Hinten läuft ein Querlager durch das Gehäuse, an das die Lade stabil angenagelt ist. Das Lager selbst steckt in einer Gratnut in den Seitenteilen des Kranzes. Durch das große Gewicht der vollbesetzten Windlade hatte sich die Nut verlängert bzw. das Lager in der Nut zusammengedrückt. Dadurch hing die Windlade schräg nach hinten. Sie wurde zurück in ihre ursprüngliche Lage gebracht. Darauf wurde das Lager mit Dübeln, die von außen durch den Kranz gebohrt wurden, fixiert.
Bei der Nachintonation wurde auf eine ordentliche Ansprache aller Töne Wert gelegt. Klangliche Ausreißer wurden integriert. Die tiefe Oktave des Salicionals, in der vorher drei Töne gar nicht ansprachen, ist jetzt in Ordnung. Insgesamt stehen die Register Salicional, Gedeckt 8' und Gedeckt 4' im Baß zu dicht aufeinander. Sie könnten noch schöner klingen.
Bei den letzten Diskanttönen der Mixtur kamen Zweifel auf, ob sie überhaupt jemals richtig gestimmt haben, soviel mußten einzelne Pfeifen des 1 1/3' angelängt werden. Außerdem sind, wie man am Mensurenschaubild sieht, totale Ausreißer in der Durchmessermensur enthalten.
Als Merkmale der Samuel-Friedrich-Schäfer-Orgel fielen auf:
Die Mensuren wurden bei den Metallpfeifen Ton für Ton als Umfangmensuren abgenommen. Bei den Holzpfeifen wurden nur die C- und Fs-Werte vermessen. Zeichnet man die Durchmessermensuren grafisch auf, so bekommt man eine Ahnung der Mensurationsprinzipien Schäfers.
Als graphische Darstellungsmethode wurde das System RENSCH gewählt, das 1970 von Richard Rensch mit der Entwicklung seines Mensurenrechenschiebers in der Fachwelt eingeführt wurde (siehe: Kurze Einführung in die grafische Mensurendarstellung).
Auf Graphik 1 sind alle abgenommenen Werte, umgerechnet in runde Innendurchmesser, eingetragen. Gedeckte und Flöten sind grün dargestellt, Principale schwarz, die Mixtur rot und die Streicher blau. Gleich auf den ersten Blick fallen die sehr zackigen Verläufe auf. Diese sind typische Zeichen für das Arbeiten mit Mensurtafeln bei der Herstellung der Pfeifen. Auf diesen Tafeln waren Teilungsstriche für die Plattenbreiten der Pfeifen aufgerissen. Bei der Herstellung dieser Tafeln wurden schon die ersten "Ungenauigkeiten" durch die Halbtonteilungen eingearbeitet. Die zweite Verschiebung gab es beim Übertrag auf die Metallplatten. Verläufe wie beim Salicional, der Octave 2' oder den tiefen Mixturchören, sind für Barockorgeln und bis in die Frühromantik zumindest bei von uns analysierten Werken völlig normal und sollen nicht als ungenau oder fehlerhaft bezeichnet werden, da dieses ständige changieren dem Klang die gerühmte Farbigkeit gibt. Im Diskant des 1 1/3' Chores der Mixtur (ab c2) ist diese Grenze jedoch deutlich überschritten. Hier sind eindeutig Fehler bei der Herstellung unterlaufen, die Schäfer jedoch nicht störten. Höhere Töne sind oft wesentlich weiter als ihre Vorgänger, gerade als sei das Ablagebrett mit den Pfeifenkörpern einmal heruntergefallen und die Röhrchen hinterher nicht mehr richtig sortiert worden.
Die Verläufe der Holzpfeifen erscheinen wesentlich gerader. Das liegt in erster Linie daran, weil wir nur die C- und Fs-Werte abgenommen haben. Der Rest ist interpoliert.
Um hinter das Prinzip Schäfers Mensurierung zu kommen, muß man die Kurven etwas begradigen und offensichtliche Fehler entfernen. Wir haben das in Graphik 2 versucht. Die Gambe 8' als nicht originales Register soll bei der Betrachtung außen vor bleiben. Als Charakteristikum fällt auf, daß die meisten Kurven zunächst etwas abfallen und dann zwischen fs und c1 zum Diskant hin ansteigen. Eine gleichmäßig ansteigende Kurve bekommt man, wenn man zu jedem Wert eines festen Progressionsverhältnisses einen konstanten Wert addiert (Additionskonstante). Wir haben in die Graphik eine blaue Kurve eingefügt, die auf dem Oktavverhältnis 1:2 basiert und in die eine Additionskonstante von 8 mm eingerechnet ist. Wenn man als Wert von C Durchmesser 70 mm eingibt (= C Flöte 4') so entsteht eine Kurve, die sehr dicht bei den gemessenen Werten der Flöte 4' liegt. Kurven mit umgekehrtem Verlauf (Subbaß 16' und Octavbaß 8') entstehen, wenn die Additionskonstante negativ ist.
Es ist also anzunehmen, daß Schäfers Mensuren, getreu alter Väter Sitte, nach dem Längenverhältnis 1:2 durch Hinzufügung verschiedener Additionskonstanten errechnet waren.
Die Orgel in Huldstetten stellt durch ihren fast kompletten Originalbestand in technischer wie auch in klanglicher Hinsicht ein wichtiges Zeugnis früherer Orgelbaukunst dar. Lediglich ein Register wurde nachträglich eingebaut (Gambe 8'). Es gibt keine Hinweise auf Vorgängerregister. Möglich wäre, daß ein Vakant-Register vorhanden war und die Gambe lediglich ergänzt wurde. Von der Technik ist nur die originale Balganlage abgängig. Dem Instrument liegt ein ausgereiftes, charakteristisches Konzept zugrunde. Klanglich stellt es für eine Dorforgel ein Juwel dar. In der technischen Ausführung agierte Samuel Schäfer eher unbefangen, aber doch so solide, daß wir uns heute, 156 Jahre nach der Erbauung, noch an diesem Instrument erfreuen können.
Klaus-Wilhelm Rensch
Orgelbaumeister
Restaurator im Orgelbau
Februar 1998
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